Wie die Weiterbildung zur systemischen Organisationsentwicklerin mein Leben verändert hat

Zwei Jahre zuvor...


Wer ich vor der Weiterbildung war

Ich war immer ein sehr klar strukturierter Mensch. Das habe ich oft als Feedback bekommen. Damit einher ging auch eine sehr stabile vorgefasste Meinung, dass alles, was ich in meinen Strukturen mache, auch so richtig ist, wie ich es mache.


Das wiederum bedeutete, dass die Anderen es im Zweifel falsch machen und ich die richtige Lösung parat habe. Ich wusste, die Lösung liegt in der Rationalität und (meiner) klar bestechenden richtigen Logik.


Warum ich mich für diese Weiterbildung entschieden habe

Ich war Freelancerin und habe Organisationen im Bereich Kundenservice beraten. Ich wußte Kundenservice wird in vielen Organisationen nur als Cost-Center gesehen, hatte aber selbst eine andere Perspektive.


Besonders in den Phasen als angestellte Kundenservice-Leiterin hat mich sehr frustriert, dass ich wenig bis keinen Einfluss auf Prozesse und Produktentwicklung hatte, nicht gehört wurde und hauptsächlich dafür eingestellt, wurde Mitarbeiter “bei Laune zu halten”. Das wollte ich unbedingt ändern.


Nicht gehört zu werden, hat mich sehr frustriert.

Ich habe gemerkt, dass ich in meiner Rolle als Kundenservice-Leiterin nicht weiterkomme. Außerdem fragte ich mich, mit welchen Tools zeige ich es den Unternehmenslenkern, dass jeder Unternehmensbereich wichtig ist und gehört werden sollte?


Meine Haltung…

...war, dass ich dann mit den richtigen Tools allen Beteiligten erst recht sagen und beweisen kann, wie es richtig geht. Ich bin dann die Beraterin, die mit der fertigen Powerpoint oder der perfekten Lösung aufwarten kann.



Heute


Wer ich jetzt bin

Heute weiß ich, dass ich nichts weiß. Das heißt zum Einen, dass ich nicht mehr in richtig oder falsch unterscheide. Ich unterscheide vielmehr in hilfreich oder nicht nicht hilfreich; in funktional oder dysfunktional. Was für den Einen gut (oder vielmehr hilfreich) ist, muss für den Anderen noch lange nicht gut (oder vielmehr hilfreich) sein.

Zum Anderen ist mir klar geworden, dass es keine wirkliche Objektivität gibt. Der Begriff der Wirklichkeitskonstruktion erleichtert mir meine Weltsicht, meine Menschensicht und mein Leben jeden Tag.


Meine Haltung...

...ist heute eine Haltung mit mehr Demut. Ich weiß es nicht besser.


Ich wünsche mir immer noch, dass alle Unternehmensbereiche (und vor allem die Menschen, die darin arbeiten) die gleiche Aufmerksamkeit und das gleiche Gehör genießen. Daher versuche ich mit den gelernten Methoden und meinem Wissen den Raum zu schaffen, dass die Beteiligten unterschiedliche Perspektiven einnehmen können.


Die Lösung liegt beim Klienten selbst.

Wo es einen Wirklichkeitsraum gibt, existiert auch ein Möglichkeitsraum. Dieser sieht für jeden Menschen und jedes soziale System anders aus. Meine Rolle ist es mit meinem Klienten diesen Raum zu finden und ihn bei der Gestaltung seines Möglichkeitsraumes zu unterstützen.


Neu erworbene Kompetenzen

Mir nahestehende Menschen würden sagen, dass ich offener geworden bin. Ich denke mehr und mehr in Hypothesen. Ich halte mich mit Bewertungen zurück und fokussiere mich auf Beobachtungen. Ich weiß, dass Verhalten kontextabhängig und zirkulär ist, daher drücke ich keine pauschalen Stempel mehr auf.


Worüber ich heute total erstaunt bin

Seit Februar 2021 begleite ich ein Change Management Projekt mit 150 Menschen. Als ich den Anruf bekam, dass mein Pitch erfolgreich war, war ich überglücklich. Einige Minuten später realisierte ich den Projektumfang und bekam Angst vor meiner eigenen Courage.


Jetzt: 3 Monate später fühle ich angekommen in meiner Arbeit, in meinem Wirken und kann mir keinen anderen Job mehr vorstellen.


Wie ich mich als Mensch weiterentwickelt habe

Ich habe im letzten Jahr (2020) noch ein Persönlichkeitscoaching gemacht und viele Learnings auch mit der systemischen Ausbildung vernetzen können.


Kein Coaching ohne Auftrag.

So habe ich bemerkt, dass ich auch bei meinen Freunden und meiner Familie immer wieder versucht habe, Lösungen für deren Herausforderungen zu finden, obwohl sie mich nie darum gebeten haben.


Der Ausdruck “kein Coaching ohne Auftrag” hat eine zentrale Bedeutung in meinem Leben eingenommen. Vielmehr möchte ich nun meine Familie und Freunde mit Empathie auffangen und ihnen somit zeigen, dass ihre Gefühle und Bedürfnisse richtig und wichtig sind.


Meine nächste Weiterbildung wird Gewaltfreie Kommunikation sein, um darin noch besser zu werden.


Wofür ich dankbar bin

Ich bin dankbar, dass ich diesen Weg gegangen bin und in mich selbst investiert habe.


Aber vor allem bin ich mir selbst für meinen Mut dankbar, den Mut meinen Bedürfnissen zu folgen, meinen Job zu kündigen und nun als selbstständige Organisationsentwicklerin arbeiten zu können.


Es erfüllt mich jeden Tag.











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